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Dreimonatskoliken: Was wirklich hilft, wenn Baby schreit

Dreimonatskoliken: die Rom-IV-Kriterien, die Ursachen, was laut Studien wirklich hilft, welche Warnzeichen zum Arzt gehören – und wie du selbst durchhältst.

Das Mama Ai Team

Aktualisiert 16. Juli 2026 9 Min. Lesezeit
Dreimonatskoliken: Was wirklich hilft, wenn Baby schreit

Drei Uhr nachts. Dein Baby schreit seit zwei Stunden. Du hast alles versucht – Brust, Arme, Schaukeln, frische Windel – und es weint trotzdem weiter, zieht die Beinchen an und läuft rot an. Mit einer Hand hältst du es, mit der anderen tippst du „Dreimonatskoliken“ in die Suche und bist ziemlich sicher, dass du irgendetwas übersehen oder falsch gemacht hast.

Höchstwahrscheinlich hast du nichts übersehen. Koliken sind keine Krankheit und nicht dein Fehler. Etwa jedes fünfte Baby geht durch diese Phase – und, das sei gleich vorweg gesagt: Sie hört auf. Im Folgenden klären wir, was Koliken wirklich sind, warum sie entstehen, was von der langen Liste der „Mittel gegen Blähungen“ tatsächlich wirkt, welche Anzeichen dafür sprechen, dass es eben keine Koliken mehr sind – und wie du das selbst überstehst.

Was sind Dreimonatskoliken eigentlich?

Koliken sind keine Diagnose über den Darm, auch wenn der Name genau das nahelegt. Sie beschreiben ein Verhalten: Ein gesundes, sattes, gut zunehmendes Baby weint lange und untröstlich ohne erkennbaren Grund, und es lässt sich kaum beruhigen.

Rom-IV-Kriterien: Warum die alte Dreier-Regel ausgedient hat

Früher wurden Koliken über die „Dreier-Regel“ nach Wessel definiert: mehr als 3 Stunden Schreien am Tag, an mindestens 3 Tagen pro Woche, über 3 Wochen hinweg. Das Problem: Niemand sitzt drei Wochen lang mit der Stoppuhr daneben – und ein Baby, das „nur“ 2,5 Stunden schreit, leidet genauso.

Heute gelten die Rom-IV-Kriterien (die internationale Klassifikation funktioneller Verdauungsstörungen). Für den normalen, nicht-wissenschaftlichen Alltag heißt Kolik:

  • Das Baby ist jünger als 5 Monate, wenn die Symptome beginnen und wenn sie enden;
  • es gibt wiederkehrende, lang anhaltende Phasen von Weinen, Unruhe oder Gereiztheit;
  • sie treten ohne erkennbaren Grund auf, und die Eltern können sie weder verhindern noch beenden;
  • dabei gibt es keine Krankheitszeichen: kein Fieber, das Baby wächst und nimmt normal zu.

Die drei Stunden am Tag gibt es weiterhin – aber nur noch als Forschungskriterium, um Kinder für Studien auszuwählen. Der Sinn dieser Änderung ist einfach: Koliken sind eine Ausschlussdiagnose bei einem gesunden Baby, keine Rechenaufgabe mit der Uhr.

Wie eine typische Schreiattacke aussieht

Viele Eltern beschreiben fast dasselbe: meistens gegen Abend, das Weinen beginnt wie auf Knopfdruck, es ist laut, hoch und angespannt, es klingt anders als „hungrig“. Das Baby läuft rot an, ballt die Fäustchen, zieht die Beine an den Bauch, der Bauch fühlt sich hart an, manchmal gehen Winde ab. Trösten hilft nur kurz oder gar nicht. Und dann endet die Attacke genauso plötzlich, wie sie kam – und zwischen den Attacken hast du ein völlig normales Baby vor dir, das trinkt, schläft und lächelt.

Wann Koliken beginnen – und wann sie vorbei sind

Das ist vermutlich die wichtigste Information in diesem Artikel, deshalb steht sie als eigener Block hier.

  • Beginn: etwa in der 2. Lebenswoche (bei Frühgeborenen gerechnet ab dem errechneten Geburtstermin).
  • Höhepunkt: um die 6. Woche. Das ist der schlimmste Punkt. Danach wird es leichter, nicht schwerer.
  • Ende: Bei den meisten Babys klingt bis zum 3.–4. Monat alles ab, oft ziemlich abrupt.

Dahinter steckt ein Phänomen, das Forschende die Schreikurve nennen: Bei allen Babys – mit und ohne Koliken – nimmt die Menge des Weinens ab der Geburt zu, erreicht um die 6.–8. Woche ihr Maximum und geht danach zurück. Der Unterschied zwischen einem „ruhigen“ und einem „Kolik-Baby“ liegt nicht darin, dass mit einem von beiden etwas nicht stimmt, sondern darin, wo es auf dieser Kurve sitzt.

Koliken hinterlassen keine Folgen. Sie beeinflussen weder Entwicklung noch Intelligenz, Charakter oder spätere Gesundheit. Die Einzige, der sie wirklich schaden, bist du. Dazu gibt es weiter unten einen eigenen Abschnitt – und er ist nicht weniger wichtig als alles andere.

Warum Babys Koliken bekommen: die ehrliche Antwort

Die ehrliche Antwort lautet: Der Mechanismus ist nicht abschließend geklärt. Wer dir sagt, er kenne die Ursache von Koliken ganz genau, will dir etwas verkaufen – meistens Tropfen. Es gibt mehrere plausible Kandidaten, und vermutlich wirken bei verschiedenen Babys verschiedene:

  • Unreife von Darm und Mikrobiom. Die Zusammensetzung der Darmbakterien unterscheidet sich bei Kolik-Babys im Schnitt; die Darmbewegung selbst „justiert“ sich noch.
  • Blähungen und Luftschlucken. Wahrscheinlich häufiger Folge des langen Weinens als dessen Ursache: Das Baby schreit → schluckt Luft → der Bauch bläht sich → es schreit stärker.
  • Vorübergehender Laktasemangel – eine zeitweise Laktoseüberladung, häufiger bei großen Mengen Vordermilch.
  • Kuhmilcheiweißallergie (KMEA) – bei einer Minderheit. Sie zeigt sich meist nicht nur durch Weinen, sondern durch weitere Symptome: Ausschlag, Schleim oder Blut im Stuhl, schlechte Gewichtszunahme, Spucken.
  • Hyperlaktation und starker Milchspendereflex – das Baby verschluckt sich, schluckt Luft, löst sich von der Brust und wird wütend.
  • Tabakrauch. Einer der wenigen Faktoren mit belastbarem Zusammenhang: Bei Babys, die im Rauch leben (auch wenn im Treppenhaus oder „aus dem Fenster“ geraucht wird), treten Koliken häufiger auf.
  • Die normale Schreikurve – bei manchen Babys ist es schlicht das obere Ende der Norm, ganz ohne Krankheitswert.

Was in dieser Liste nicht steht – und nie stehen wird

Sagen wir es deutlich, denn diese Sätze werden seit Jahrzehnten weitergereicht und sie stimmen nicht:

Koliken entstehen nicht, weil die Mutter „nervös“ ist. Die Ursache-Wirkung-Kette läuft andersherum: Zwei Monate untröstliches Weinen machen Eltern erschöpft und ängstlich, nicht umgekehrt. Die Anspannung der Mutter ist eine Folge der Koliken – ihr die Schuld zu geben, ist genauso logisch, wie einem nassen Menschen den Regen vorzuwerfen.

Es gibt keine „schlechte“, „leere“ oder „zu dünne“ Milch. Die Zusammensetzung der Muttermilch verdirbt nicht durch deine Stimmung, deine Müdigkeit oder einen Streit mit deinem Partner. Wenn dein Baby zunimmt und die Windeln nass macht, ist deine Milch in Ordnung.

Es liegt nicht daran, dass du dein Baby „zu viel auf den Arm nimmst“ und es „verwöhnst“. Ein zwei Monate altes Baby lässt sich durch Tragen nicht verwöhnen. Auf dem Arm getragen zu werden ist keine Ursache von Koliken, sondern eines der wenigen Mittel, die wirken.

Wenn dir das schon jemand gesagt hat – Arzt, Schwiegermutter, Nachbarin –, darfst du es einfach beiseitelegen. Die Datenlage stützt es nicht.

Wenn es keine Koliken mehr sind: Warnzeichen

Das ist der wichtigste Abschnitt. Koliken sind die Diagnose eines gesunden Babys. Das heißt: Alles, was sagt „dieses Kind ist krank“, kann per Definition keine Kolik sein – so ähnlich das Weinen auch klingen mag.

Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn auch nur eines dieser Zeichen auftritt:

  • Fieber von 38 °C oder höher bei einem Baby unter 3 Monaten – das ist immer ein Notfall, ohne „warten wir bis morgen früh“;
  • Erbrechen, besonders schwallartig, wiederholt oder grün (gallig) – grünes Erbrechen erfordert sofortige Hilfe;
  • Blut im Stuhl oder Stuhl, der aussieht wie Himbeergelee; dunkler, teerartiger Stuhl;
  • schlechte Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust;
  • Teilnahmslosigkeit: Das Baby ist schwer zu wecken, wirkt schlaff, reagiert nicht wie sonst;
  • schwaches, wimmerndes oder hohes, schrilles Schreien – es klingt anders als normales Weinen und macht Angst;
  • Trinkverweigerung über mehrere Mahlzeiten hinweg;
  • vorgewölbte oder eingesunkene Fontanelle;
  • erschwerte, schnelle Atmung, blaue Verfärbung um den Mund, Blässe oder marmorierte Haut;
  • trockene Windeln über mehr als 6–8 Stunden;
  • das Weinen begann plötzlich bei einem Baby, das vorher nie so geweint hat, und hört stundenlang nicht auf;
  • das Weinen begann nach einem Sturz oder Stoß.

Kurz zum Stuhl, weil er ein häufiger Panikauslöser ist: grüner Stuhl ist bei Säuglingen für sich genommen meist normal (besonders bei schneller Passage oder viel Vordermilch), und etwas Schleim im Stuhl kommt auch bei gesunden Babys vor. Beunruhigend ist nicht das, sondern die Kombination: Schleim plus Blut, schlechte Gewichtszunahme, Ausschlag, Trinkverweigerung. Die Farbe allein ist keine Diagnose.

Eine einfache Regel für drei Uhr nachts: Wenn dein Baby zwischen den Attacken trinkt, zunimmt, die Windeln nass macht und normal wirkt – dann sind es höchstwahrscheinlich Koliken. Wenn es krank wirkt – dann sind es keine Koliken, dann ruf den Arzt.

Was bei Dreimonatskoliken wirklich hilft

Hier ehrlich, sortiert nach dem, was belegt ist, was umstritten ist und was nicht wirkt. Vorab: Es gibt keine Wunderlösung. Kein Mittel schaltet Koliken ab. Das Ziel ist, sie zu lindern, nicht sie abzuschaffen.

A parent soothing a calm, awake newborn held along their forearm with the head supported in their hand

Arme, Bewegung, Geräusch – was am besten funktioniert

Das Wirksamste bist du, nicht das Fläschchen aus der Apotheke.

  • Tragen und Haut-zu-Haut-Kontakt. Ein Tragetuch oder eine Tragehilfe macht die Hände frei – das verändert die Lebensqualität in dieser Zeit buchstäblich.
  • Bewegung. Gleichmäßiges Wiegen, Herumlaufen, Kinderwagen. Ruckartiges Schütteln – niemals (dazu unten mehr).
  • Weißes Rauschen. Dunstabzugshaube, Föhn, Regen, Rauschen. Lautstärke etwa wie eine Dusche, die Quelle nicht näher als einen Meter am Kopf, nicht die ganze Nacht.
  • Saugen. Brust, Finger, Schnuller. Ein Schnuller stört bei etabliertem Stillen nicht und senkt übrigens das Risiko für den plötzlichen Kindstod.
  • Seiten- oder Bauchlage – mit dem Bauch auf deinem Unterarm, den Kopf in der Ellenbeuge. Funktioniert bei vielen. Nur auf dem Arm, nur im Wachzustand, nur unter Aufsicht. Das ist eine Trostposition, niemals eine Schlafposition.
  • Pucken – hilft manchen Babys, solange sie sich noch nicht drehen (etwa bis zur 8. Woche). Arme längs am Körper, Beine frei und mit Platz zum Anwinkeln in den Hüften, dünner Stoff. Ein gepucktes Baby schläft ausschließlich auf dem Rücken.
  • Weniger Reize. Manchmal ist das Beste, das Licht zu dimmen, den Fernseher auszuschalten und aufzuhören, „etwas zu tun“.

Stillen, Anlegen und Bäuerchen

Ein Teil des Weinens, das nach Koliken aussieht, ist in Wahrheit Trinkmechanik. Das lohnt sich zu prüfen:

  • Das Anlegen an der Brust. Schlechtes Anlegen = viel Luft und ein wütendes Baby. Bei Schmerzen beim Stillen, Klick-Geräuschen oder wunden Brustwarzen liegt es fast sicher am Anlegen. Wie das gut gelingt, ist ausführlich im Artikel darüber beschrieben, wie du das Stillen in den ersten Tagen richtig anlegst.
  • Hyperlaktation. Wenn sehr viel Milch da ist und dein Baby sich verschluckt, hilft zurückgelehntes Stillen (Biological Nurturing) und „eine Brust pro Mahlzeit“ über einen Zeitblock hinweg. Solche Schemata stimmst du besser mit einer Stillberaterin oder Ärztin ab, damit die Milchbildung nicht einbricht.
  • Bäuerchen. Halte dein Baby nach dem Trinken aufrecht und mache Pausen währenddessen. Belege, dass das Koliken heilt, gibt es kaum – schaden kann es aber nicht.
  • Bei Flaschennahrung: Prüfe, ob der Sauger vom Fluss her passt und ob die Flasche so geneigt ist, dass keine Luft im Sauger steht. Die Nahrung ohne ärztliche Indikation zu wechseln, ist nicht nötig.

Probiotika: das einzige Mittel mit echten Daten

Lactobacillus reuteri DSM 17938 ist das einzige Probiotikum mit einer ordentlichen Datenlage bei Koliken. Die Nuancen sind wichtig: Der Effekt ist am besten bei ausschließlich gestillten Babys belegt, er ist moderat (im Schnitt weniger Weinen, aber keine Stille), und die Studienergebnisse sind widersprüchlich – ein Teil der Arbeiten fand keinen Unterschied zu Placebo. Bei Babys mit Flaschennahrung gibt es deutlich weniger Daten.

Das ist keine Pflichttherapie und nichts, wonach man als Erstes greifen sollte. Besprich mit deiner Kinderärztin, ob ein Versuch in eurem Fall sinnvoll ist – und welches Produkt genau: Der konkrete Stamm ist entscheidend, „ein Probiotikum im Allgemeinen“ nicht.

Ernährung der Mutter: nur bei Allergieverdacht und nur mit Arzt

Der Pauschalrat „lass Kohl, Gurken, Milch, Trauben und Vollkornbrot weg“ ist nicht belegt und lässt eine erschöpfte Frau oft bei Reis und Pute zurück – ohne Nutzen für das Baby.

Etwas anderes ist es, wenn die Ärztin eine KMEA vermutet (es gibt Ausschlag, Blut oder anhaltenden Schleim im Stuhl, schlechte Gewichtszunahme). Dann ist ein probeweiser vollständiger Verzicht auf Kuhmilcheiweiß über 2–4 Wochen möglich, unter ärztlicher Begleitung und mit anschließender Wiedereinführung zur Kontrolle: Kommen die Symptome zurück, ist die Diagnose bestätigt; kommen sie nicht zurück, ist die Diät nicht nötig. Ohne diese Gegenprobe ist eine halbjährige „Diät auf Verdacht“ nicht gerechtfertigt.

Was nicht wirkt oder unsicher ist

  • Simeticon. Das beliebteste „Mittel gegen Blähungen“ aus der Apotheke ist in Studien nicht besser als Placebo. Es ist unbedenklich, und wenn du dich mit der Gabe wohler fühlst – kein Drama. Aber du bezahlst für ein Ritual, nicht für einen Effekt.
  • Fencheltee, Kümmeltee, „Blähungswasser“ und andere Kräutertees. Belege fehlen, Risiken gibt es dagegen: Sie verdrängen Milch aus der Ernährung des Babys, die Zusammensetzung ist oft unvorhersehbar, es finden sich Alkohol, Zucker und pflanzliche Beimengungen. Babys unter einem halben Jahr brauchen Wasser und Tees grundsätzlich nicht.
  • Osteopathie, manuelle Therapie, „Einrenken“ des Bauchs. Für eine Wirksamkeit bei Koliken gibt es keine belastbaren Belege; Manipulationen am Hals eines Säuglings sind ein potenzielles Risiko.
  • Darmrohr, Einläufe „zur Vorbeugung“ – die regelmäßige Anwendung reizt die Schleimhaut und hindert das Baby daran, selbst zurechtzukommen.
  • Jegliche Krampflöser, Schmerz- und „Beruhigungsmittel“ ohne ärztliche Verordnung. Gib deinem Baby niemals ein Medikament auf Empfehlung aus einem Forum.

Apropos Foren: Fremde Kolik-Geschichten zu lesen, kann für das Gefühl „ich bin nicht allein“ hilfreich sein – aber nicht als Behandlungsquelle. Threads mit 400 Beiträgen darüber, „was uns geholfen hat“, handeln vom zeitlichen Zusammenfall mit dem 3.–4. Monat, in dem die Koliken bei allen aufhören.

Deine eigene Sicherheit ist Teil der Kolik-Behandlung

Das ist der Abschnitt, den man nicht überspringen darf – auch wenn du sicher bist, dass er dich nicht betrifft.

Untröstliches Babyweinen ist der führende Auslöser für das Schütteltrauma (eine schwere Kopfverletzung). Der Höhepunkt der Fälle fällt mit dem Höhepunkt der Schreikurve zusammen – etwa 6.–8. Woche. Das passiert nicht „schlechten“ Menschen. Das passiert ganz normalen, liebevollen, bis an die Grenze getriebenen Eltern, bei denen im Verlauf der vierten Stunde Geschrei für eine Sekunde etwas reißt. Eine Sekunde genügt: Das Gehirn eines Babys und die Muskeln seines Halses halten dem Schütteln nicht stand, und die Folgen – Blindheit, Krampfanfälle, schwere Behinderung, Tod – sind irreversibel.

Deshalb merk dir das im Voraus, bevor dieser Moment kommt:

Wenn du spürst, dass du am Limit bist – leg dein Baby auf dem Rücken ins Bett, verlass das Zimmer, mach die Tür zu und atme 10–15 Minuten. Lass es weinen. Ein weinendes Baby in einem sicheren Bettchen ist nicht in Gefahr – in überhaupt keiner. Ein Baby auf dem Arm eines Menschen, der nicht mehr kann, ist in Gefahr. Wegzugehen heißt nicht aufzugeben, es ist die richtige, verantwortliche, erwachsene Entscheidung. Komm zurück, wenn du wieder atmen kannst.

Und bitte sag genau das allen, die mit dem Baby allein bleiben: deinem Partner, der Oma, der Betreuungsperson. Menschen, die mit solchem Weinen nicht rechnen, reagieren darauf am schlechtesten.

Das ist keine Belastungsprobe, die du allein bestehen musst

Um Hilfe zu bitten ist kein Luxus und keine Schwäche. Vereinbart Schichten: Dein Partner übernimmt die Abendattacke, du schläfst zwei Stunden mit Ohrstöpseln im anderen Zimmer. Lass jemanden mit dem Kinderwagen eine Runde drehen, während du duschst. Zwei Stunden Schlaf am Stück verändern deine Fähigkeit, Weinen auszuhalten, stärker als jede Tropfenflasche.

Und achte auf dich. Erschöpfung bei Koliken ist normal. Aber wenn Schwermut, Angst, Schuldgefühle oder das Gefühl „ich bin eine schlechte Mutter“ auch in den ruhigen Stunden nicht weichen, wenn du öfter weinst als dein Baby, wenn Gedanken auftauchen, dir oder ihm etwas anzutun – dann geht es nicht um Charakter und nicht um Schwäche, dann ist das ein Grund, Hilfe zu holen. Es lohnt sich zu lesen, wodurch sich normale Erschöpfung von einer Wochenbettdepression unterscheidet – und mit dem Arztbesuch nicht zu warten. Eine Wochenbettdepression lässt sich gut behandeln, und du musst nicht warten, bis es „schlimm genug“ ist.

Sicherer Schlaf – die Regel, die Koliken nicht aushebeln

Die Positionen, die bei Koliken helfen, sind Positionen für ein waches Baby auf deinen Armen, unter deiner Aufsicht. Sobald es um Schlaf geht, gilt eine einzige Regel, und die ändert sich nie:

A newborn sleeping on their back in a bare cot with a firm flat mattress, no pillows, blankets or toys
  • auf dem Rücken – bei jedem Schlaf, tagsüber und nachts;
  • separat – im eigenen Bettchen, im Zimmer der Eltern in den ersten 6 Monaten;
  • auf einer flachen, festen Matratze, in einem leeren Bett: ohne Kissen, Decken, Nestchen, Lagerungshilfen und Kuscheltiere.

Die Versuchung, das endlich eingeschlafene Baby auf dem Bauch auf der eigenen Brust liegen zu lassen, ist riesig – besonders um vier Uhr morgens, wenn das das Einzige ist, was funktioniert hat. Aber genau das Einschlafen eines Erwachsenen zusammen mit dem Baby auf dem Sofa oder im Sessel ist eine der gefährlichsten Situationen für einen Säugling. Wenn du merkst, dass du einschläfst – leg es auf dem Rücken ins Bettchen. Auch wenn es aufwacht. Das ist der Fall, in dem die Regel wichtiger ist als der Schlaf.

Wann du planmäßig zum Arzt gehen solltest – und was dort geprüft wird

Ohne Eile, aber unbedingt: Zeig dein Baby der Kinderärztin, wenn das Weinen nach der 6.–8. Woche zunimmt statt abzunehmen; wenn es über den 4. Monat hinaus anhält; wenn es Ausschlag, anhaltenden Schleim im Stuhl, häufiges schwallartiges Spucken oder Verstopfung beim Neugeborenen gibt (seltener, harter, schmerzhafter Stuhl); wenn dein Baby schlecht zunimmt; oder wenn du selbst am Ende deiner Kräfte bist – das ist ein ausreichender Grund für einen Termin, einen zusätzlichen Anlass brauchst du nicht.

Die Ärztin wird höchstwahrscheinlich: dein Baby wiegen, messen und die Entwicklung auf den Wachstumskurven anschauen; es komplett untersuchen – einschließlich Ohren, Augen, Bauch, Leistengegend und Hoden (um eine eingeklemmte Hernie, eine Hodentorsion und andere schmerzhafte Zustände auszuschließen); prüfen, ob ein Haar um ein Fingerchen geschnürt ist (das ist eine reale Ursache für untröstliches Weinen, sie heißt Haar-Turnikett-Syndrom); nach dem Trinken fragen und sich womöglich das Anlegen ansehen; Anzeichen für KMEA und Reflux beurteilen. Laborwerte und Ultraschall sind bei typischen Koliken eines gesunden Babys meist nicht nötig – die Diagnose entsteht aus Untersuchung und Schilderung.

Wenn das Gefühl „die Ärztin hört mir nicht zu und redet nur über Tropfen“ nicht weggeht – das ist ein völlig normaler Anlass, eine Zweitmeinung einzuholen.

Das Wichtigste

  • Koliken betreffen ein gesundes Baby. Nach den Rom-IV-Kriterien sind es lange Weinphasen ohne erkennbaren Grund bei einem Baby unter 5 Monaten, das normal wächst und nicht krank ist. Die alte „Drei-Stunden-Regel“ definiert die Diagnose nicht mehr.
  • Sie hören auf. Start um die 2. Woche, Höhepunkt um die 6., bei den meisten vorbei bis zum 3.–4. Monat. Folgen für das Baby gibt es keine.
  • Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Aber sicher liegt sie nicht an den Nerven der Mutter und nicht an „schlechter Milch“ – diese Schuld ist falsch, du darfst sie ablegen.
  • Fieber bei einem Baby unter 3 Monaten, grünes Erbrechen, Blut im Stuhl, Teilnahmslosigkeit, schwaches oder schrilles Schreien, Trinkverweigerung, vorgewölbte Fontanelle, schlechte Gewichtszunahme – das sind keine Koliken. Damit sofort zum Arzt.
  • Es wirken Arme, Bewegung, weißes Rauschen, Saugen, Pucken und ein gutes Anlegen an der Brust. Simeticon ist nicht besser als Placebo, Fencheltee und Kräutertees sind nicht belegt und nicht unbedenklich, für Osteopathie fehlen die Belege. L. reuteri DSM 17938 – moderate und uneinheitliche Wirkung, überwiegend beim Stillen; besprich es mit deiner Kinderärztin.
  • Wenn du am Limit bist – leg dein Baby auf dem Rücken ins Bettchen und geh für 10–15 Minuten raus. Ein weinendes Baby im Bettchen ist sicher. Ein Baby, das geschüttelt wird, nicht.
  • Schlaf – immer auf dem Rücken, separat, im leeren Bettchen, so bequem die Trostpositionen auch scheinen mögen.

Und noch etwas, für drei Uhr nachts. Dass du dieses Weinen nicht stoppen kannst, heißt nicht, dass du ein schlechter Elternteil bist. Koliken sind die einzige Situation in der Elternschaft, in der „alles richtig machen“ und „ein Ergebnis bekommen“ nichts miteinander zu tun haben. Du hältst, wiegst, trägst – und dein Baby weint trotzdem, und das ist nicht dein Versagen. Du tust bereits das Wichtigste: Du bist da. In ein paar Wochen hört es auf – und du wirst nicht einmal merken, an welchem Tag genau.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Bei jedem Zweifel am Zustand deines Babys wende dich an deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt, bei Warnzeichen an den ärztlichen Notdienst.

Mit KI erstellt und vom Mama Ai Team überprüft. Bildungsinformation — kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung.

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