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Zuckertest in der Schwangerschaft: Ablauf & Werte

Zuckertest in der Schwangerschaft (oGTT): wann er ansteht, wie du dich vorbereitest, der Ablauf mit 75 g Glukose, die normalen Werte und was ein auffälliges Ergebnis bedeutet.

Das Mama Ai Team

Aktualisiert 5. Juli 2026 9 Min. Lesezeit
Zuckertest in der Schwangerschaft: Ablauf & Werte

Irgendwann zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche bekommst du von deiner Ärztin oder deinem Arzt die Überweisung für den Zuckertest in der Schwangerschaft (oGTT – oraler Glukosetoleranztest, auch Glukosetoleranztest genannt). Für viele werdende Mütter ist das die verwirrendste und angespannteste Untersuchung: Du musst nüchtern erscheinen, eine sehr süße Zuckerlösung trinken und danach mehrere Stunden im Labor warten. Lass uns in Ruhe klären, wofür der Test gut ist, in welcher Schwangerschaftswoche er gemacht wird, wie du dich richtig vorbereitest, wie der Ablauf Schritt für Schritt aussieht, welche Werte normal sind und was zu tun ist, wenn das Ergebnis „auffällig“ ausfällt.

Was ist der Glukosetoleranztest und wofür ist er da

Der Glukosetoleranztest ist eine Möglichkeit zu prüfen, wie dein Körper während der Schwangerschaft mit Zucker (Glukose) umgeht. Du gibst nüchtern Blut ab, trinkst dann eine Lösung mit einer genau abgemessenen Menge Glukose, und nach einer bestimmten Zeit wird noch einmal Blut abgenommen. Daran, wie schnell der Blutzucker ansteigt und wieder sinkt, erkennt deine Ärztin oder dein Arzt, ob dein Körper genug eigenes Insulin bildet, um den Zucker im normalen Bereich zu halten.

Das wichtigste Ziel des Tests ist es, rechtzeitig einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) zu erkennen – einen erhöhten Blutzucker, der zum ersten Mal während der Schwangerschaft auftritt. Ausführlich beschreiben wir diesen Zustand in einem eigenen Artikel über Schwangerschaftsdiabetes – Werte und Ernährung; hier geht es speziell um den Test, der ihn aufspürt.

Warum ist das wichtig? Schwangerschaftsdiabetes verläuft meistens ganz ohne Symptome – du kannst dich rundum wohlfühlen, während dein Blutzucker trotzdem erhöht ist. Genau deshalb wird der Test allen Schwangeren angeboten und nicht nur denen, die Beschwerden haben. Manchmal wird bei einer routinemäßigen Urinuntersuchung Glukose gefunden – „Zucker im Urin“ kann in der Schwangerschaft auch normal sein, ist aber ein zusätzlicher Grund, den Zuckertest nicht auszulassen. Eine frühe Erkennung erlaubt es, Ernährung und Betreuung sanft anzupassen und die Risiken für Mutter und Kind zu senken.

In welcher Schwangerschaftswoche wird der Zuckertest gemacht

Der optimale Zeitpunkt für den planmäßigen Glukosetoleranztest liegt bei 24 bis 28 Wochen. Das ist die Mitte der Schwangerschaft: Bis dahin bildet die Plazenta genug Hormone, die die Insulinempfindlichkeit ganz natürlich herabsetzen, sodass verborgene Störungen des Zuckerstoffwechsels sichtbar werden. Der Test fällt in das zweite Trimester der Schwangerschaft – die Phase der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen.

In manchen Fällen wird der Test oder eine Zuckermessung früher angesetzt – bereits im ersten Trimester oder direkt bei der Erstuntersuchung. Meist hängt das mit Risikofaktoren zusammen:

  • Übergewicht vor der Schwangerschaft oder eine rasche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft;
  • Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft oder die Geburt eines großen Kindes (über 4 kg);
  • Diabetes bei nahen Verwandten;
  • Alter über 30 bis 35 Jahre, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS);
  • erhöhter Nüchternblutzucker oder Glukose im Urin bei den Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft.

Ist der frühe Test normal, wird der vollständige Glukosetoleranztest trotzdem in der 24. bis 28. Woche wiederholt. Auch nach der 28. Woche (in der Regel bis zur 32.) ist der Test noch möglich, falls er aus irgendeinem Grund nicht rechtzeitig gemacht werden konnte.

Wie du dich auf den Test vorbereitest: was erlaubt ist und was nicht

Die richtige Vorbereitung wirkt sich direkt auf das Ergebnis aus – durch Fehler beim Essen oder im Tagesablauf lässt sich der Zuckertest in der Schwangerschaft „verfälschen“, sodass falsche Werte herauskommen. Gehen wir die Vorbereitung Schritt für Schritt durch.

Drei Tage vor dem Test

In den drei Tagen vor der Untersuchung solltest du wie gewohnt und ohne Kohlenhydrate einzuschränken essen: Auf dem Speiseplan sollten mindestens 150 g Kohlenhydrate pro Tag stehen (Getreide, Brot, Obst, Gemüse). Das ist ein wichtiger Punkt: Wenn du kurz vorher „eine Diät machst“ und die Kohlenhydrate weglässt, reagiert dein Körper heftiger auf die süße Lösung, und das Ergebnis kann zu hoch ausfallen. Auch die körperliche Aktivität sollte normal bleiben, ohne erschöpfende Belastungen.

Am Vorabend und morgens nüchtern

So machst du den Test richtig:

  • Die letzte Mahlzeit gibt es am Abend, 8 bis 14 Stunden vor der Untersuchung. Das Abendessen ist normal, mit Kohlenhydraten, aber nicht zu spät.
  • Am Morgen kommst du strikt nüchtern. Erlaubt ist nur stilles Wasser; Tee, Kaffee, Säfte und süße Getränke sind ausgeschlossen.
  • Rauche weder am Vorabend noch während des Tests (Rauchen ist in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht zu empfehlen).
  • Sag deiner Ärztin oder deinem Arzt vorab, welche Medikamente du nimmst: Manche Präparate (zum Beispiel Glukokortikoide oder einige Blutdruckmittel) beeinflussen den Blutzucker.
  • Plane für die Untersuchung mindestens 2 bis 2,5 Stunden ein und nimm dir etwas mit, um die Wartezeit zu überbrücken.

Wann der Test besser verschoben wird

Der Glukosetoleranztest wird bei bestimmten Zuständen nicht durchgeführt – dann wird er verschoben oder durch eine andere Untersuchung ersetzt:

  • starke Schwangerschaftsübelkeit mit Erbrechen in der Frühschwangerschaft (du behältst die Lösung schlicht nicht bei dir);
  • eine akute Infektion oder Entzündung, ein Schub einer chronischen Erkrankung;
  • strenge Bettruhe auf ärztliche Anordnung;
  • frühere Magenoperationen (Dumping-Syndrom);
  • wenn der Nüchternblutzucker bereits hoch ist (7,0 mmol/l und mehr) – dann ist die Zuckerbelastung nicht nötig und sogar unerwünscht, die Diagnose wird schon anhand dieses Werts gestellt.

Wie der Ablauf aussieht: Schritt für Schritt

Viele macht das Ungewisse nervös, deshalb beschreiben wir, wie der Glukosetoleranztest in der Schwangerschaft Schritt für Schritt abläuft. Die klassische Variante ist der Test mit 75 g Glukose und drei Blutabnahmen:

  • Schritt 1. Nüchtern-Blutabnahme. Dir wird Blut aus der Vene abgenommen und sofort der Glukosewert bestimmt. Ist er normal, geht es zur Zuckerbelastung. (Ist der Nüchternwert bereits hoch, wird der Test an dieser Stelle abgebrochen.)
  • Schritt 2. Die Zuckerlösung. Du bekommst eine Lösung aus 75 g Glukose, gelöst in 250 bis 300 ml warmem Wasser, zu trinken. Trinke sie in Ruhe, innerhalb von etwa 5 Minuten. Die Lösung ist sehr süß; manchmal darfst du etwas Zitronensaft hinzufügen, damit es leichter fällt.
  • Schritt 3. Messung nach 1 Stunde. Genau 60 Minuten nach der Lösung wird erneut Blut abgenommen.
  • Schritt 4. Messung nach 2 Stunden. Eine weitere Stunde später folgt die dritte, letzte Blutabnahme.

Die ganze Zeit über ist es wichtig, ruhig zu sitzen – in der Nähe des Labors: nicht umhergehen, nichts erledigen, nichts essen und außer Wasser nichts trinken. Bewegung und Essen verändern den Blutzucker und verfälschen das Ergebnis. In Deutschland ist meist der zweistufige Ablauf üblich: Zuerst gibt es einen kurzen Suchtest mit 50 g Glukose (ohne Nüchternvorbereitung), und erst bei einem erhöhten Wert folgt der große Test mit 75 g Glukose. In manchen Ländern wird direkt der einstufige Test mit 75 g Glukose gemacht.

Pregnant woman having a routine venous blood draw during a glucose tolerance test at a clinic

Normale Werte beim Glukosetoleranztest in der Schwangerschaft

Für Schwangere gelten strengere Grenzwerte als für andere Menschen – weil schon eine kleine Zuckererhöhung für das Baby von Bedeutung ist. Bewertet wird das Ergebnis aus dem venösen Plasma. Die normalen Werte beim Zuckertest in der Schwangerschaft (also die Werte, die als gut gelten) lauten:

  • Nüchtern: unter 5,1 mmol/l;
  • Nach 1 Stunde (nach der Lösung): unter 10,0 mmol/l;
  • Nach 2 Stunden: unter 8,5 mmol/l.

Ein Schwangerschaftsdiabetes wird diagnostiziert, wenn mindestens einer der Werte den Grenzwert erreicht oder überschreitet: nüchtern ≥ 5,1 mmol/l, nach 1 Stunde ≥ 10,0 mmol/l oder nach 2 Stunden ≥ 8,5 mmol/l. Für die Diagnose reicht also ein einziger „ausgerissener“ Wert – es müssen nicht alle drei überschritten sein. Liegt der Nüchternblutzucker dagegen bei 7,0 mmol/l oder höher (oder ein Gelegenheitswert bei ≥ 11,1 mmol/l), handelt es sich bereits um einen manifesten Diabetes, der eine gesonderte Betreuung erfordert.

Die Maßeinheiten können sich unterscheiden: In manchen Laboren wird das Ergebnis in mg/dl angegeben. Die Richtwerte sind dieselben: nüchtern 92 mg/dl, nach einer Stunde 180 mg/dl, nach zwei Stunden 153 mg/dl. Die Auswertung überlässt du immer deiner Ärztin oder deinem Arzt – sie oder er betrachtet die Zahlen zusammen mit dem Gesamtbild deiner Schwangerschaft.

Was ein auffälliges Ergebnis bedeutet und wie es weitergeht

Zuallererst: keine Panik. Ein erhöhtes Testergebnis bedeutet nicht, dass du etwas falsch gemacht hast oder dass mit dem Baby etwas passiert. Schwangerschaftsdiabetes ist ein häufiger Zustand, der sich gut kontrollieren lässt, und bei den meisten Frauen normalisiert sich der Blutzucker nach der Geburt wieder.

Wenn der Test einen Schwangerschaftsdiabetes ergeben hat, sehen die nächsten Schritte meist so aus:

  • deine Ärztin oder dein Arzt (Frauenärztin/Frauenarzt, bei Bedarf auch Diabetologin oder Diabetologe) erklärt die Diagnose und stellt einen Betreuungsplan auf;
  • die Grundlage der Behandlung ist die Ernährung: eine sanfte Anpassung des Speiseplans und eine gleichmäßige Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag. Hier hilft dir unser Beitrag zur Ernährung in der Schwangerschaft;
  • du lernst, den Blutzucker zu Hause mit einem Messgerät zu bestimmen – meist nüchtern und ein bis zwei Stunden nach dem Essen;
  • dazu kommt moderate Bewegung (Spaziergänge nach dem Essen);
  • reichen Ernährung und Bewegung nicht aus, kann deine Ärztin oder dein Arzt Insulin verordnen – es ist in der Schwangerschaft sicher. Mehr zur Behandlung findest du im Artikel über Schwangerschaftsdiabetes.

Manchmal ist das Ergebnis grenzwertig oder wirft Fragen auf (zum Beispiel, weil die Vorbereitung nicht eingehalten wurde). In so einem Fall kann deine Ärztin oder dein Arzt eine Wiederholung veranlassen. Triff keine Behandlungsentscheidungen allein anhand der Zahlen auf dem Befund – besprich sie mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Häufige Fragen: Sicherheit, Übelkeit, Ablehnung

Ist der Test für Mutter und Kind sicher

Ja. Der Glukosetoleranztest ist eine standardmäßige, gut untersuchte Untersuchung, die weltweit bei Millionen Schwangeren durchgeführt wird. Die einmalige Portion Glukose schadet weder dir noch dem Kind; der vorübergehende Zuckeranstieg während des Tests normalisiert sich schnell wieder. Die einzigen Einschränkungen sind die Zustände, bei denen der Test verschoben wird (siehe oben).

Warum wird einem beim Test übel

Übelkeit ist eine häufige und verständliche Reaktion: Eine sehr süße Lösung auf nüchternen Magen kann für sich genommen Unwohlsein auslösen, und im zweiten Trimester kommt eine empfindliche Magengegend hinzu. Damit du es leichter überstehst:

  • trinke die Lösung nicht in einem Zug, sondern langsam über einige Minuten;
  • wenn erlaubt, füge etwas Zitronensaft hinzu;
  • sitze ruhig, atme tief und bewege dich nicht ruckartig.

Wenn du dich nach dem Trinken der Lösung doch übergibst, muss der Test auf einen anderen Tag verschoben werden – sag dem Laborpersonal unbedingt Bescheid, ihn dann fortzusetzen ist sinnlos.

Kann man den Zuckertest ablehnen

Jede Untersuchung in der Schwangerschaft ist freiwillig, und formal kannst du ablehnen. Wichtig zu wissen ist aber: Der Glukosetoleranztest bleibt der genaueste Weg, einen Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen, der oft verborgen verläuft. Einfachere Untersuchungen (nur Nüchternblutzucker oder der Langzeitwert HbA1c) sind weniger empfindlich und können eine Störung übersehen. Wenn dir der Test Angst macht, lehne ihn lieber nicht ab, sondern besprich deine Bedenken mit deiner Ärztin oder deinem Arzt – gemeinsam findet ihr eine angenehme Lösung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zuckertest in der Schwangerschaft spürt einen Schwangerschaftsdiabetes auf, der meist ohne Symptome verläuft.
  • Der planmäßige Zeitpunkt ist die 24. bis 28. Woche; bei Risikofaktoren wird der Zucker früher geprüft.
  • Vorbereitung: 3 Tage gewohnte Ernährung mit Kohlenhydraten, dann 8 bis 14 Stunden nüchtern; morgens strikt nüchtern, nur Wasser.
  • Ablauf: Nüchtern-Blutabnahme → 75 g Glukoselösung → weitere Abnahmen nach 1 und 2 Stunden; in dieser Zeit ruhig sitzen.
  • Werte: nüchtern < 5,1; nach 1 Stunde < 10,0; nach 2 Stunden < 8,5 mmol/l. Die Diagnose steht, sobald mindestens ein Wert überschritten ist.
  • Ein erhöhtes Ergebnis ist kein Grund zur Panik: Schwangerschaftsdiabetes lässt sich gut mit Ernährung und Betreuung kontrollieren.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Zeitpunkt, Vorbereitung, Werte und die Deutung deines Ergebnisses besprichst du immer mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Diabetologin bzw. deinem Diabetologen.

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